{"id":331,"date":"2015-07-13T15:58:54","date_gmt":"2015-07-13T13:58:54","guid":{"rendered":"http:\/\/camillasblog.de\/?p=331"},"modified":"2015-07-13T16:02:24","modified_gmt":"2015-07-13T14:02:24","slug":"das-rote-pferd-nicht-das-blaue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/camillasblog.de\/?p=331","title":{"rendered":"Das rote Pferd \u2013 nicht das Blaue"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Das \u00d6lgem\u00e4lde mittleren Formates \u201ePferd in Landschaft\u201c von Franz Marc aus dem Jahre 1910 besticht auf den ersten Blick durch seine Farbigkeit. Kaum ein anderer K\u00fcnstler wei\u00df so gro\u00dfeTeile des Bildes mit einer einzelnen und sehr intensiven Farbe zu f\u00fcllen, ohne dass es st\u00fcmperhaft wirkt. Kritiker k\u00f6nnten es kindisch nennen, jedoch w\u00e4re dies wiederum eher als Kompliment zu deuten, da Kinder mit einer verbl\u00fcffenden Treffsicherheit Reales zweidimensional auf Papier bannen k\u00f6nnen, ohne sich der \u00fcblichen, gewohnten, tradierten Mittel zu bedienen (Pferd braun, Gras gr\u00fcn usw.). <\/span><!--more--><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Durch diese Farbbereiche werden die Bildelemente geschaffen, welche das Bild voll ausf\u00fcllen. Das rote Pferd im Vordergrund, Schopf, M\u00e4hne und bewegter Schweif in blau und schwarz, die H\u00fcgellandschaft in gr\u00fcn, rot, viel gelb, der blaue Fluss &#8211; all das ist expressionistisch farbkr\u00e4ftig, leicht verwischt und dennoch eindeutig erkennbar.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Faszinierend ist dabei die enorme Tiefe. Auf seine ganz besondere Weise schafft Marc es, den Raum \u201egef\u00fchlt\u201c dreidimensional abzubilden. Mehrere Kilometer weit erstreckt sich die Natur \u00fcber H\u00fcgel und Baumgruppen bis hin zur Bucht eines Meeres oder zu einem gro\u00dfen See. Bildkompositorisch l\u00e4sst der Maler den Betrachter seitlich versetzt hinter dem Pferd stehen, sodass man beides &#8211; Tier und Landschaft &#8211; im Blick hat. Vom Pferdek\u00f6rper ist nur die obere H\u00e4lfte zu sehen, was die r\u00e4umliche N\u00e4he unterst\u00fctzt. Trotz der ruhigen Szene wirkt das Bild wie eine Momentaufnahme. Das Fluchttier Pferd ist st\u00e4ndig in Bewegung (der Kopf hebt und senkt sich, der Schweif schwingt hin und her, die Beine stehen selbst beim grasen nicht still), sodass dieses Bildereignis gr\u00f6\u00dftenteils aus einer Erinnerung entstanden sein muss &#8211; heutzutage k\u00f6nnte man als Vorlage eine Fotografie vermuten. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Nach eingehenderer Betrachtung \u00fcberzeugt das Gem\u00e4lde vor allem durch die Formgebung und Anordnung der Bildelemente. Sie lassen den Betrachter in das Geschehen eintauchen und geben mehr als nur einen Gedankenansto\u00df. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">&#8230;<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Mich hat das Bild zum tr\u00e4umen gebracht. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Es ist ein hei\u00dfer Sommertag. \u00dcber die weitl\u00e4ufigen H\u00fcgel weht nur eine leichte Brise vom Meer her\u00fcber. Auch das Pferd gl\u00fcht in der Sonnenhitze. Nur sein Langhaar verschafft ihm ein wenig K\u00fchlung und h\u00e4lt ihm die schwirrenden Insekten vom Leib. Das trockene Gras unter meinen F\u00fc\u00dfen knistert und raschelt ein wenig als ich mich dem Tier n\u00e4here. Es hatte mich schon lange bemerkt. Zudem kennt es meine Art mich zu bewegen, hat meinen Duft schon lange gewittert und sein Ohrenspiel verriet mir, dass es meine Atemz\u00fcge in der Mittagsstille h\u00f6ren kann. Als ich es fast erreicht habe, dreht es mir den Kopf zu und ich kann in seine braunen Augen sehen. Sie haben eine ungeahnte Tiefe, \u00e4hnlich der Weite der Natur vor uns. Bevor ich mich darin verlieren kann schnaubt das Pferd, was ich als Duldung meiner Anwesenheit verstehe. Die Stille ist jetzt unserem Dialog gewichen. Ich strecke ihm meine Hand entgegen und raune ihm zu. Vorsichtig ber\u00fchrt es meine Fingerspitzen mit seinen langen Tasthaaren, um dann mit einem tiefen, warmen Atemzug in meine Handfl\u00e4che zu pusten. Nach dem Genuss dieser freundlichen Begr\u00fc\u00dfung geselle ich mich neben das Pferd und wir betrachten einen Moment lang gemeinsam die Landschaft. <\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\">Pl\u00f6tzlich hebt das Tier den Kopf etwas h\u00f6her und spitzt die Ohren Richtung Wasser. Dort hinten, noch ein ganzes St\u00fcck hinter dem Fluss, sehen wir undeutlich ein Schiff auf dem Meer. Es scheint ins Landesinnere zu navigieren, obwohl es in der Bucht keinen Hafen gibt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\">Eine Sekunde z\u00f6gern wir, doch ohne Worte ist es klar: Wir setzen uns gleichzeitig in Bewegung, um der Sache auf den Grund zu gehen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u00d6lgem\u00e4lde mittleren Formates \u201ePferd in Landschaft\u201c von Franz Marc aus dem Jahre 1910 besticht auf den ersten Blick durch seine Farbigkeit. Kaum ein anderer K\u00fcnstler wei\u00df so gro\u00dfeTeile des Bildes mit einer einzelnen und sehr intensiven Farbe zu f\u00fcllen, ohne dass es st\u00fcmperhaft wirkt. 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